Was tun, wenn der alte ETF-Sparplan nicht mehr kostenlos ist?

Was soll ich tun, wenn mein ETF-Sparplan auf einmal nicht mehr kostenlos ist? Soll ich den Sparplan beibehalten und die zusätzlichen Kosten tragen oder lieber wechseln? Diese Frage hat in letzter Zeit viele beschäftigt, vor allem im Hinblick darauf, dass die Comdirect aktuell ihre Aktions-Sparpläne ändert. Deshalb wollen wir uns das Problem heute genauer anschauen, wie man damit umgeht und was meine persönliche Lösung für das Problem ist.

Viele wollen langfristig ihre ETF-Sparpläne kostenlos besparen. Jetzt ist aber das Problem, dass sich die kostenlose ETF-Sparpläne von Zeit zu Zeit ändern. Würde man jetzt wild hin und her wechseln, so hätte man am Ende 10 verschiedene ETFs in seinem Portfolio, weil man immer alles kostenlos besparen möchte und den Aktions-ETFs wie ein Nomade folgen muss.

comdirect brief auszug

Eine Benachrichtigung der Comdirect, dass mein ETF-Sparplan nicht mehr kostenlos ist.

Würde man andererseits seine ETFs immer wieder wechseln, würden wahrscheinlich hohe Gebühren fällig werden. Also – wie geht man damit jetzt in der Praxis damit um?

Wieso ändern die Banken ihre kostenlosen Sparpläne überhaupt ständig?

Ganz einfach: die Banken wollen auch Geld verdienen. Denn ETF-Sparpläne sind klassische Einsteigerprodukte und die Banken verdienen nicht sehr viel daran. Und wenn jetzt alles kostenlos inkl. kostenloses Depots wäre, dann würde es die Banken wohl nicht mehr so lang geben.

Der faire Service will natürlich auch irgendwie bezahlt werden, denn Banken sind keine Wohlfahrtsvereine. Das soll jetzt keine Werbung für die Gebühren der Banken sein, die in manchen Bereichen immer noch zu hoch sind. Aber durch diesen regelmäßigen Wechsel der Aktions-ETFs, bleiben wahrscheinlich einige Kunden auf den kostenpflichtigen ETFs hängen, wodurch die Bank dann am Ende wieder mehr verdient. Also stellt sich für uns die Frage: Wie geht man am besten damit um?

Entweder akzeptiert man die neuen Gebühren und zahlt sie, oder man wechselt zu einer neuen Depot-Bank mit kostenlosen ETFs

illustration etf sparpläne

Kostenlose ETF-Sparpläne sind oft Einsteigerprodukte, mit denen die Banken kaum etwas verdienen.

3 Szenarien, wie man das Problem lösen könnte – der Vergleich

Um zu schauen, wie man das Problem lösen kann, habe ich drei Szenarien für dich ausgerbeitet. Jedes Szenario zeigt eine andere Heransgehensweise mit individueller Kostenstruktur. Lass uns doch einmal gemeinsam schauen, welches Szenario das Beste ist.

Übersicht der 3 Szenarien

Bei welchem Szenario sind die Kosten am niedrigsten?

Szenario 1

Man nimmt die Kosten in Kauf und zahlt regelmäßig Gebühren für den Sparplan. Dafür hat man am Ende nur einmalige Gebühren beim Verkauf, da man nur einen ETF im Depot hat.

Szenario 2

In Szenario zwei wechselt man regelmäßig zwischen den kostenlosen ETF-Sparplänen hin und her. Dadurch hat man später das Problem, dass man sehr viele kleine ETF-Stückelungen im Depot hat und dadurch später beim Verkauf hohe Gebühren zahlen muss.

Szenario 3

Du parkst deine Sparrate monatlich auf ein Tagesgeldkonto und investierst dein Geld nur einmal im Jahr in einen kostenlosen ETF-Sparplan. So musst du auch nur ein einziges mal Gebühren zahlen. Die bereits gesparten ETFs direkt zu verkaufen macht übrigens kein Sinn, denn du must nur bei Kauf- und Verkauf der ETFs Gebühren zahlen. Je mehr du kaufst und verkaufst, desto mehr Gebühren zahlst du also auch.

Schauen wir uns dazu mal ein konkretes Beispiel mit Zahlen an… Welche Szenario verursacht welche Kosten?

comdirect Beispiel mit Zahlen

Für die Szenarien wählen wir die comdirect und legen folgende Grundannahmen fest.

  • Wir wollen jeden Monat 50€ in den MSCI World über einen Zeitraum 20 Jahren investieren
  • das Preismodell bleibt fix über den Zeitraum
  • zusätzlich gibt es immer einen kostenlosen Aktions-ETF auf den MSCI World bei der comdirect
  • die Zinsen lassen wir im Beispiel weg.

Lass uns folgende Grundannahmen festlegen.

Bei Szenario 1 müssen wir noch beachten, dass die Kosten direkt von der Sparrate abgezogen werden. In diesem Fall würden wir monatlich anstatt 50€, nur 49,25€ investieren. Das lassen wir in unserem Beispiel aber weg, um das Ganze nicht zu komplex zu machen.

Schauen wir uns kurz mal die Gebühren an…

Textauszug der die Ordergebühren der comdirect zeigt (aus offiziellem comdirect Dokument abfotografiert)

Die Ordergebühren der comdirect-Bank.

  • Grundentgelt und Orderprovisionen – 4,90€ + 0,25% des Ordervolumens
  • aber mindesten 9,90€ (bis 2.000€ Ordervolumen)
  • begrent auf maximal 59,90€
  • Sonderentgelt abhängig vom Börsenplatz – Xetra 0,0015% oder mindestens 1,50€

 

Kostenkalkulation für Szenario 1 – „Weitersparen“

Für den Kauf der ETF-Anteile fallen in Szenario 1 1,5% Gebühr auf 50€ an, was 0,75€ im Monat entspricht. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 9€. Über die 20 Jahre Anlagezeitraum würden wir hier also insgesamt 180€ an Ordergebühren zahlen.

Nicht vergessen darf man jedoch die Gebühren für den Verkauf der ETF-Anteile, denn irgendwann möchte man seine Investition ja auch zu Geld machen. In Szenario 1 kommen wir nach 20 Jahren sparen auf eine Vermögenssumme von 12.000€.

Die Verkaufskosten werden folgendermaßen berechnet:

4,90€ + (0,25% * 12k) + 1,5€ = 36,40€

Rechnet man jetzt die Kosten für Kauf und Verkauf zusammen, kommt man auf insgesamt 216,40€ an Gebühren.

Kostenkalkulation für Szenario 2 – „Immer wieder den ETF-Sparplan wechseln“

In Szenario 2 gehen wir davon aus, dass wir den ETF immer wieder wechseln. Das heißt, wir „folgen“ den Aktions-ETFs und schichten immer wieder so um, dass wir nur kostenlose Aktions-ETFs nutzen.

Die Sparplankosten liegen bei Szenario 2 daher bei 0€.

Allerdings müssen wir immer wieder umschichten, wodurch bei jedem Wechsel Verkaufsgebühren anfallen. Wir müssen damit rechnen, innerhalb von 20 Jahren den ETF zirka 20 mal zu wechseln.

Die Kosten dafür berechnen sich folgendermaßen:

4,90€ + (0,25% * 600€) + 1,50€ = 7,90€

Hier müssen wir allerdings beachten, dass bei der comdirect die Mindestordergebühr (bis 2.000€ Volumen) bei 9,90€ liegt. Wir müssen unsere Formel also etwas anpassen.

(9,90€ + 1,50€) * 20 = 228€

Die Kosten fallen letztendlich also etwas höher aus.

Gesamtkosten: 228€ und damit etwas höher als in Szenario 1.

Kostenkalkulation für Szenario 3 – „Geld ansparen und einmal im Jahr kaufen“

In Szenario 3 sparen wir unser Geld das Jahr über auf einem Tagesgeldkonto an, um dann einmal im Jahr eine große Order auszuführen. Die Kosten dafür berechnen sich folgendermaßen.

Kauf der ETF-Anteile:

4,90€ + (0,25% * 600€) + 1,50€ = 7,90€

(9,90€ + 1,50€) * 20 = 228€

Jetzt dürfen wir natürlich auch die Verkaufskosten vergessen. Diese berechnen sich für Szenario 3 folgendermaßen:

4,90€ + (0,25% * 12.000€) + 1,5€ = 36,40€

Zusammengerechnet ergibt das folgende Kostenstruktur.

Gesamtkosten: 228€ + 36,40€ = 264,40€

Wie man direkt sieht, ist der Weg aus Szenario 3 also am teuersten von allen dreien.

Es gibt keine Einheitslösung – jeder muss seinen eigenen Weg gehen

Es gibt keine Einheitlösung bei ETFs Illustration

Leider gibt es keine Einheitslösung, die für jeden optimal ist.

Allerdings bezieht sich diese Kalkulation nur auf unsere Grundannahmen und Zahlen. Wer etwas herumspielt, wird schnell feststellen, dass es keine Einheitslösung gibt. Letztendlich sind nämlich viele Faktoren für die Gesamtkosten verantwortlich:

  • Der Broker – welcher Broker wird verwendet und wie ist seine Gebührenstruktur?
  • Die Sparsumme – wie viel willst du ingesamt ansparen. Gibt es gewisse Vergünstigen oder Verteuerungen je nach Volumen?
  • Zukünftige Preisanpassungen der Broker – werden die Broker in Zukunft Ihre Preismodelle ändern? Ein Punkt, den man nicht vorhersagen kann.
  • Zeit – wie viel Zeit willst du investieren? Ist deine Zeit weniger Wert als ein Gebührenplus in Höhe von 40€?

Leider ist es schwierig, auch nur einen Tag in die Zukunft zu schauen. Zwanzig Jahre sind umso schwerer. Daher lässt sich schwer sagen, ob der heute günstigste Weg, auch in 20 Jahren noch der Günstigste ist.

Klar – wenn du die Zeit und Muße hast, kannst du berechnen welches Modell aktuell das Günstigste für dich ist. Ob das in 20 Jahren aber immer noch so ist, ist zweifelhaft.

Wie kann man das Problem in der Praxis lösen? – Wissen zum Mitnehmen

Keine Panik auf der Titanic. Die Gebühren sind beim Investieren nicht alles. Warum, das schauen wir uns jetzt mal an.

Wie wichtig sind die Kosten beim Vermögensaufbau?

Ohne das Fundament, bringt die beste Spitze nicht. Und beim Investieren ist die Spitze der Kostenfaktor. Das Fundament bist in erste Linie du selbst. Also dein Wissen, dein Kapital und deine mentalen Fähigkeiten wie Disziplin.

vermögensaufbau pyramide

Die Pyramide zeigt, wie wichtig die einzelnen Faktoren beim Vermögensaufbau sind.

Die nächste Stufe ist die Anlagestrategie. Wie sieht deine Asset-Allocation aus, das Rebalancing und wie sieht die Gestaltung der Anspar- und Entsparphasen aus. Wir sind davon ausgegangen, das wir am Ende alles komplett liquidieren. Aber es kann ja auch sein, dass du am Ende Jahr für Jahr Anteile verkaufen willst, wodurch die Kosten wieder steigen könnten. Dies sind alles Faktoren die du auf dieser Ebene mit einberechnen musst.

Ebenfalls wichtiger als die Kosten ist die Wahl des Index. Möchte ich nur in den MSCI World investieren oder in spezifische ETFs für Europa, die USA oder Japan?

Auf der nächsten Stufe kommt dann der ETF selbst. Wie ist der ETF zusammengesetzt? Ist er ausschüttend oder thesaurierend? Physisch oder synthetisch?

Ganz am Ende kommen dann die Kosten, als Spitze des Eisberges. Die Pyramide zeigt, dass vor den Kosten noch viele weitere Faktoren wesentlich wichtiger sind. Man sollte sich also nicht nur auf die Kosten fixieren, sondern sich erst um die grundlegenden Faktoren bzw. das Fundament kümmern.

Du solltest am besten ganz praktisch vorgehen und keine Raketenwissenschaft aus deinem Vermögensaufbau machen. Du solltest außerdem deine aktuellen Sparpläne nicht einfach stoppen, ohne eine neue Lösung parat zu haben.

Ansonsten läufst du Gefahr, am Ende gar nicht mehr zu investieren.

Hauptsache, du investierst nicht überhaupt nicht. :p

Das ist mir einmal passiert, als ich meinen DAX-ETF liquidieren und auf eine „All-Weather-Strategie“ umstellen wollte. Das Problem dabei war, dass meine neue Strategie noch nicht bereit war und ich dadurch gar nicht mehr gespart habe. Und das ist für den Vermögensaufbau wesentlicher schädlicher, als nicht 100% optimal zu investieren.

Jeder, der langfristig sein Geld in ETFs anlegen will, also 10 oder 20 Jahre, für den ist es fast egal, bei welchem Anbieter er die ETFs kauft. Denn früher oder später werden alle Ihre Gebühren erhöhen bzw. die Aktions-ETFs auslaufen. Du solltest wirklich nur dann deine alten Sparpläne auflösen und wechseln, wenn du einen wesentlich Vorteil daraus ziehen kannst. Nur wegen einer kleinen Rabatt-Aktion zu wechseln, lohnt sich meist nicht. Es schadet auch nicht, mehrere Depots zu haben, denn die ideale Bank gibt es nicht.

Über 10 oder 20 Jahre wird sich bei den Depot-Anbieter vieles verändern. Also am besten ruhig bleiben.

Ich selber nutze mehrere Depots und kann mir dadurch stets die Rosinen rauspicken. So muss ich nicht immer das wählen, was ein einzelner Broker mir anbietet.

Mit etwas Glück, hat dann auch der neue Broker den gleichen ETF und wir können eine Depotübertragung machen.

Ein User aus dem comdirect Forum hat es sehr schön ausgedrückt:

Fand ich sehr gut die Antwort und dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen.

Ich hoffe, ich konnte dir heute helfen, das Problem mit den kostenlosen ETF-Sparplänen zu lösen. Würde mich freuen, wenn du mal wieder bei Talerbox vorbeischauen würdest. 


Wenn du uns unterstützen willst, benutze doch einen unserer Affiliate-Links. Danke! 🙂

 Meine Depots für kostenlose ETF Sparpläne:

 WIE ICH INVESTIERE ?

Schritt-für-Schritt Guide, um erfolgreich an der Börse zu investieren
 http://go.lendingschool.66405.digistore24.com/CAMPAIGNKEY

 WO ICH INVESTIERE ?

✅ Top Renditen mit Krediten sichern? http://www.talerbox.com/mintos-o/
✅ Alternative zum niedrigen Tagesgeld http://www.talerbox.com/zinspilot/

✅  Bondora http://www.talerbox.com/bondora-o/

 Die Sieger aus dem ETF Sparplan Vergleich:

 Die anderen Teilnehmer der ETF Sparplan Test

 Die Top p2p Crowdfunding Plattform

• companisto – http://www.talerbox.com/companisto-o/

• Seedmatch – http://www.talerbox.com/seedmatch-o/

Nützliche Steuer Tools 

Das könnte dich auch interessieren:

Ist es auch dein Ziel ein Vermögen aufzubauen?

Dann lerne jetzt den effizienten Weg kennen, wie du erfolgreich an der Börse investieren kannst.

Du hast es fast geschafft ... Noch ein Klick und du bekommst Video 1 direkt zu zugeschickt. Prüfe bitte dein Emails für mehr Informationen.

%d Bloggern gefällt das: