Sparer in Not: Anleihen Risiko – keine Rendite? Keine Bewertungen bisher.

Sollten wir jetzt unsere Anleihen verkaufen? Dieser Artikel soll das vermeintliche Anleihen Risiko, aber auch die Chancen von Anleihen erörtern. Zudem werde ich drei Lösungen mit Beispielen geben, wie man auf eine Veränderung der Zinsen reagieren kann.

Du kannst dir diesen Artikel über „Anleihen Risiko“ hier auch als Video ansehen:

Sparer in Not: Anleihen - Risiko ohne Rendite? 😐

Anleihen Risiko – Lohnen sich Anleihen noch?

Durch diese Panikmache, dass Anleihen gefährlich seien, bekomme ich immer wieder Fragen zu diesem Thema. Wie z.B diese hier:

frage

Doch was ist wirklich dran an dieser Panikmache, dass Anleihen Risiko bedeuten? Sollten wir jetzt alle panisch unsere Anleihen verkaufen und nur noch in Tagesgeld und Festgeld investieren? Eines vorweg, was dir bewusst sein muss: Mit negativen Schlagzeilen lässt sich auf jeden Fall mehr Auflage verkaufen als mit positiven Nachrichten. Dies musst du dir zunächst einmal im Kopf behalten. Denn wir wollen jetzt einmal gemeinsam objektiv betrachten und analysieren, welche Szenarien möglich sind und ob wir wirklich unsere Anleihen verkaufen sollten.

zusammenfassung-vergangenheit

Doch wie sah bisher das Risiko bei Anleihen in der Vergangenheit aus? Anleihen sind in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen und häufig wurden Renditen von 5% und mehr erreicht. Das liegt vor allem auch daran, dass die Zinsen immer sukzessive weiter gesunken sind. Und inzwischen gelten klassische Rentenfonds aus den Europäischen Staatsanleihen als fast ausgereizt. Zwar könnten rein theoretisch die Zinsen noch weiter sinken und kurzfristige Gewinne möglich sein, aber langfristig kann man doch keine hohen Renditen mehr mit Anleihen erzielen, oder?

Und man sieht hier sehr schön die gegenläufige Entwicklung, wie die Zinsen immer weiter fallen und die Anleihen dafür im Vergleich steigen. Und nun befinden wir uns bei 0%. Aus diesem Grund rufen oder empfehlen viele, über einen Verkauf von Rentenfonds nachzudenken und die Erlöse lieber in Tagesgeld oder Festgeld zu investieren. Eine Seite, die das z.B. empfiehlt ist Finanztipp.

Sind Anleihen Risiko oder Chance in der  Zukunft?

Doch nun stellt sich die 1 Mio Frage “Was passiert in der Zukunft? Und diese Frage kann wohl niemand zu 100% beantworten. Deswegen müssen wir uns andere Lösungen suchen, wie wir mit dem Problem umgehen können. Hierzu wenden wir die Szenario-Technik an. Diese kann man in vielen Fällen sinnvoll einsetzen.

szenario-technik

Hier z.B. anhand der Wertprognose eines Musterportfolios. Ganz oben ist dargestellt, wie der Best Case aussieht, wenn das Portfolio richtig gut läuft. Dann gibt es natürlich den Worst Case, was im schlimmsten Fall passiert. Und zu guter Letzt gibt es ein realistisches Szenario, das sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% einpendelt.

Wie sieht das jetzt mit dem Szenario aus? Wenn die Zinsen bleiben oder fallen, haben wir kein allzu großes Problem mit Anleihen, weil dann die Preise von den Anleihen steigen bzw. ein Wertzuwachs stattfindet. Aber was passiert im Worst Case, wenn die Zinsen jetzt wirklich stark steigen und wir Anleihen halten? Viele sind hier sehr verunsichert und viele Anfänger wissen auch gar nicht, was dort genau passiert.

zinsen-anleihen

Zur Erklärung: Steigen die Zinsen, dann fallen die Anleihen. Anders herum, wenn die Zinsen sinken, steigen die Anleihen-Preise. Für viele ist das unverständlich, deswegen schauen wir uns doch mal an einem Beispiel an.

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Wir nehmen eine Anleihe mit einem Preis von 100€ und einem fixen Zins von 2% p.a. Jetzt steigen die Zinsen aber auf 3%. Wenn wir jetzt einen Käufer finden wollen, dann müssen wir auch 3%  Rendite bieten. Doch wie geht das, wenn wir die Anleihe halten? Weil unsere Anleihe ist ja bei 2% festgenagelt. Also müssen wir mit dem Preis der Anleihe runter gehen. Und wir müssen so weit runtergehen, dass der Käufer zwei Prozent Zinsen und 1% Kursanstieg hat. Also eine Gesamtrendite von drei Prozent. Der Kurs fällt also auf 99€. Fazit: Zinsen bedeuten einen negativen Kurseffekt.

Zinssensitivitaet

Und wie stark der Preis fällt oder steigt, ist abhängig von der Restlaufzeit der Anleihe. Aber allgemein gilt: Mit steigender Laufzeit reagieren die Anleihen stärker auf Zinsveränderungen.

INFO
Als einfache Formel kann man sich ganz leicht merken: Je länger die durchschnittliche Restlaufzeit der in einem Index enthaltenen Staatsanleihen ist, desto stärker kann der Kurs des jeweiligen ETFs schwanken.

Denn während einer langen Laufzeit muss eher mit einer Veränderung der Zinsen gerechnet werden, als bei sehr kurzen Laufzeiten. Dafür bekommt man auf der anderen Seite auch weniger Zinsen auf die kurzfristigen Renditen. Also einfach ausgedrückt: Die Zukunft ist unsicherer und dafür wollen wir dort mehr Rendite.

Der Vergleich in der Praxis

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Dazu nehmen wir uns einfach mal den iBoxx Liquid Sovereigns Diversified mit 1-3 Jahren Laufzeit im Durchschnitt. Dann denselben mit Laufzeiten von 3-5 Jahren und dann einen mit 5-7 Jahren. Jetzt schauen wir mal, wo wir die Zinsintensität finden.

Diese kann man ganz einfach finden, wenn man in das Factsheet des jeweiligen ETFs geht. Oder man schaut bei dem Anbieter des jeweiligen ETFs nach.

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Wir haben hier jetzt den iBoxx mit 1-3 Jahren und sehen hier eine Modified Duration von 2,15%. Was besagt das? Wenn die Zinsen um 1% nach oben steigen würden, dann würde diese Anleihe um 2,15% nach unten fallen.

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Beim nächsten sieht das wie folgt aus: 3-5 Jahre und längere Laufzeiten. Hier ist die Modified Duration schon 4,14%. Also auch wieder hier noch als Beispie:l 1% steigen die Zinsen, dann fällt dieser ETF sehr wahrscheinlich um 4,14%. Also schonmal mehr als die mit 1-3 Jahren.

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Beim letzten ist es dann so, dass die Modified Duration schon bei 5,93% liegt. Also noch einmal mehr. Hier können wir den Effekt, den ich eben angesprochen habe, noch mal sehr schön in der Praxis sehen, dass ETFs mit langen Laufzeiten stärker auf Zinsveränderungen reagieren. Doch welche konkreten Lösungen gibt es jetzt, sich gegen diese Zinsanstiege abzusichern?

Wie kannst du dich gegen das Zinsanstiegs-Risiko bei Anleihen absichern?

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Zunächst einmal: Eine Anleihe ist nicht gleich eine Anleihe. Wie bei Aktien gibt es hier auch eine Vielzahl unterschiedlicher Bausteine bzw. Typen. Anleihen sind den Anlegern jedoch meistens nicht so geläufig wie Aktien. Dabei bieten die Anleihen eine große Auswahl von Risikostufen. Hier kann man z.B. breiter auf weltweite Staatsanleihen gehen oder aber auf Unternehmenspapiere setzen. Diese bieten zum Teil sehr attraktive Renditen. So kann man eben wie angedeutet ETFs mit kürzeren Laufzeiten nehmen, weil diese wie bereits erwähnt weniger anfällig für Zinssteigerungen sind. Später kann man das auf längere Laufzeiten umschichten.

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Oder man investiert gleich in die Emerging Markets oder auch BRICS-Staaten. BRICS steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, auf Unternehmensebene zu investieren in sog. Corporate Bonds. All diese ETFs unterscheiden sich nochmal in verschiedene Anleihen Risikoklassen, die Ratings genannt werden. Und je höher die Unsicherheit, bzw.das Risiko des Ausfalls, desto höher sind die Zinsen. Beispielsweise gelten deutsche Staatsanleihen als sehr sicher, deswegen sind die Zinsen sehr niedrig. Dann gibt es sog. Junk Bonds, also BB und schlechter. Diese haben ein deutlich höheres Ausfallrisiko und damit auch eine höhere Rendite. Bei D wäre es sogar ein Zahlungsausfall.

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Wie kann man sehen, welches Risiko der jeweilige ETF hat? Das können wir uns beim Factsheet anschauen. Dazu nehmen wir mal einen High Yield Corporate Bond. also Hochzinsanleihen auf Unternehmen, die sehr spekulativ sind. Unter Kreditqualität finden wir auf dem Factsheet die Aufteilung der Risikoklassen. 62% Anteil haben die BB-Anleihen und 30% die B-Anleihen. Das bedeutet, dass knapp 93% im spekulativen Bereich liegen. Deswegen liegen die Zinsen hier deutlich höher. Das kann man generell auf der Seite des ETF-Anbieters sehen oder zum Teil auch im Factsheet.

Wenn du mehr über die Einteilung der einzelnen Ratingstufen lesen möchtest, hier findest du den Wikipedia-Artikel dazu.

Dann möchte ich dir noch eine Grundregel mitgeben:

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Das heißt, High Yield Bonds mögen zwar hohe Renditen haben, wie wir eben gesehen haben, aber das Anleihen Risiko ist natürlich auch höher.

Tagesgeld & Festgeld als Alternative

Eine zweite Möglichkeit ist natürlich in Festgeld und Tagesgeldkonten zu investieren. Diese sind attraktiv bei niedrigen Zinsen. Es schützt zum einen gegen das Ausfallrisiko, weil wir z.B. in der EU die EU-Einlagensicherung haben. Und dann hat man hier auch nicht das typische Anleihen Risiko, nämlich das Marktrisiko, dass die Zinsen sich verändern können. Oder der Wert des ETFs sich verändert.

Aber man muss auch beachten, dass Festgelder nicht liquide sind, weil man 1-5 Jahre nicht an sein Geld heran kommt. Aber dafür gibt es einen Trick, die sogenannte Zinstreppe. Sprich, man teilt sein Geld auf verschiedene Laufzeiten auf. So z.B. ein Teil in fünf Jahre, einen in vier Jahre, einen in drei Jahre, und so weiter und so fort. So hat man etwas mehr Flexibilität.

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Aber man kann auch einen Teil in das Tagesgeld und einen Teil ins Festgeld stecken. Fürs Tagesgeld nutze ich moneyou. Zum einen, weil sie noch attraktive Renditen anbieten. Zudem kann man noch bis zu fünf Unterkonten machen, bei dem man verschiedene Sparziele einstellen kann. Für das Festgeld gibt es weitere Services, so z.B. Savedo. Das neue hierbei ist, dass man Festgeld im europäischen Ausland anlegen kann. Das hat zum einen den Vorteil, dass man höhere Zinsen als in Deutschland hat, aber man ist trotzdem noch durch die EU-Einlagensicherung geschützt.

Das Konzept der Risikoparität

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Kommen wir zur dritten Variante, dem Konzept der Risikoparität. Was soll das heißen? Es ist ein Konzept, bei dem das Chancen-Risiko-Verhältnis des Portfolios optimiert werden soll durch Anlagemöglichkeiten, die möglichst wenig miteinander korrelieren.

HINWEIS
Entscheidend für die Risikoparitätenstrategie ist, dass in einem diversifizierten Portfolio nicht die prozentuale Gewichtung der Anlageklassen wichtig ist, sondern die prozentuale Gewichtung des Gesamtrisikos.

Man sieht hier die vier Quadranten. Das Portfolio wird also nach dem Risiko ausgerichtet und daran bemisst sich dann die optimale Risiko-Allokation. Denn in jeder Marktphase funktioniert ein anderes Produkt besser. Diese müssen dann in einem richtigen Mischverhältnis eingestellt werden, damit man in allen Marktphasen durch ruhige Gewässer fahren kann, bzw. keine zu tiefen Einstürze hat. Das hört sich jetzt sehr komplex an, aber so schwer ist es gar nicht. Denn am Ende sieht das Portfolio folgendermaßen aus.

Und trotz Zinsanstieg, kann sich das Portfolio gut halten, weil es das Risiko managt und es hier dann in den Zeiten z.B. Rohstoffe gibt, die das Portfolio abfedern oder nach oben kriegen können.

Welche ist die beste Strategie für dich, um das Anleihen Risiko zu minimieren?

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Jetzt fragst du dich sicher, was denn die beste Strategie für dich ist. Und was führt zu deinem Ziel? Also, wenn du steigende Zinsen erwartest, dann solltest du auf kürzere Laufzeiten setzen. Dann kannst du bei einem Anstieg der Zinsen umschichten, um von steigenden Zinsen profitieren. Also von kurzen auf lange Laufzeiten gehen.

INFO
Allerdings sind Anleihen mit längeren Laufzeiten renditestärker als ihre kurzen Pendants. Sie kompensieren damit das höhere Zinsrisiko, das du als Anleger übernimmst. Auch wenn wir als Buy and Hold Anleger nicht direkt von den Kursschwankungen betroffen sind, denn wir wollen ja nicht verkaufen.

Dennoch solltest du dir überlegen, ob dir das Auf und Ab im Portfolio vielleicht zu viel ist. Dann wäre vielleicht eine Kombination aus Tagesgeld und Festgeld, wie ich sie vorgestellt habe, wohl die bessere Variante.

Das aus meiner Sicht risikoärmste Investment ist die Risikoparitäten-Strategie. Denn hier wird nicht versucht, die Zukunft vorauszusagen, was natürlich keiner kann, sondern hier wird das Portfolio nach dem Risiko ausgerichtet und gemanagt. Dadurch wird das beste Rendite-Chancen-Verhältnis in allen Marktphasen optimiert. Ich persönlich investiere auch nach dieser Risiko-Paritäten-Strategie und habe keine Angst vor steigenden  Zinsen.

Welche Variante gibt dir das beste Bauchgefühl um das Anleihen Risiko zu optimieren? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

Übrigens: wenn du Schritt für Schritt lernen möchtest, wie ich mein Geld anlege, dann ist das hier interessant für dich (hier klicken).

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